Dienstag, 21.11.2017  |

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Mendenerin hilft Waldbrände in Costa Rica zu löschen

Menden | Costa Rica. Die Mendenerin Jeanne Freitag (18) ist seit September des letzten Jahres für ein freiwilliges Jahr nach Costa Rica gegangen. Sie möchte andere Kulturen, ebenso  die Folgen der Globalisierung aus einer anderen Perspektive kennenlernen und weitere Menschen für den Schutz des Regenwaldes sensibilisieren. Außerdem arbeitet sie dort an einigen Projekten mit. Zur Zeit unterstützt sie die Freiwillige Waldfeuerwehr. Waldbrände sind hier ein großes Problem. Als „Bombera forestal“ hilft sie im Löscheinsatz.

Erst vor einigen Tagen kam sie zu einem Einsatz. Hier ist ihr Bericht:

Es ist Februar. Sommer. Drückende Hitze in Santa Cruz. Der Wald steht fast komplett ohne Blätter da. Und an einigen Tagen fegt der Wind mit bis zu 100km/h über das Land hinweg. Alles ist super trocken und staubig. Die Wasserfälle sind zum Erliegen gekommen und die meisten Flüsse ausgetrocknet. Waldbrandsaison!

Jeanne Freitag 260216

Jeanne Freitag | Foto:privat

Am Dienstagmorgen ist mein Chef und Gastvater Luis auf einmal schon vor 7 Uhr auf dem Motorrad davon gedüst und hat mich und meine Gastmutter verwundert zurück gelassen. Als ich dann trotzdem noch um 8 Uhr im Büro ankomme, weil ich glücklicherweise noch den Bus gekriegt habe, erfahre ich von meiner Kollegin, dass Luis den Brand in San Juan besichtigt, denn wir gestern, auf dem Nachhauseweg gesehen haben. Zu diesem Zeitpunkt dachten wir noch, dass ein Eingriff nicht möglich sei, denn das Problem ist, dass wir nicht eingreifen dürfen, wenn sich das Feuer auf Privatgelände befindet. Das könnte als Hausfriedensbruch gesehen werden und viele Probleme mit der Justiz geben. Deswegen sind uns oft die Hände gebunden, wenn ein Brand außerhalb des National Parks ist, auch wenn das Feuer eine Gefahr für den Park darstellt. Staatliche Unterstützung für das Bekämpfen von Waldbränden gibt es ebenfalls nur wenn sich das Feuer im National Park befindet.

Doch zum Glück zählt der National Park Diriá 8 Brigadas. (Brigada heißt Einheit. Das sind Gruppen die den Nationalpark in erster Linie bei der Bekämpfung von Waldbränden unterstützen, aber auch Umweltbildung und Säuberungsaktionen durchführen). Mehr als 100 Brigadistas bzw. Bomberos Forestales (Die Waldfeuerwehrfrauen und Männer) sind in Brigadas aktiv und sind Freiwillige. Für denAlltag der Bomberos Forestales heißt das nachts Waldbrände löschen und gehen am Tag ihrer eigentlichen Arbeit nach.

Abends lese ich in der Whatsappgruppe der Bomberos Forestales des National Parks Diriá, dass der Waldbrand unter Kontrolle gebracht wurde und die Parkaufseher sich nun nur noch im Stadium der Beaufsichtigung und Auflösung des Brandes befinden. Ich bin erleichtert und gehe beruhigt schlafen.

Am nächsten Tag dem 24.02.2015. um 16:14 Uhr erreicht mich die Sprachnachricht des Parkaufsehers. Es werden Bomberos gebraucht. Um 18 Uhr geht´s los. Es wurde nicht ausreichend auf das Feuer aufgepasst und jetzt muss de Ronda bzw. Linea de defensa erneuert werden.

Die Linea de defensa ist eine 3-5 Meter breite Verteidigungslinie von der alles brennbare Material entfernt wird, damit das Feuer diese nicht passieren kann. Idealerweise umschließt sie den ganzen Brand. Ich beginne sofort meine Teilnahme zu organisieren. Mein Chef willigt ein und bringt mich nach San Juan. Alles was ich brauche habe ich im Büro. Mein Hemd, den Helm, meine Machete, ein Tuch (das man für alles Mögliche gebrauchen kann), Taschenmesser, Kamera, Kopflampe, Wanderschuhe, lange Hosen und meine kleine erste Hilfe Reisetasche.

incendio_forestal_san_Juan_24-02-2016 (206)

Foto: Privat

Doch bevor ich mich umziehe durchforste ich erst nochmal den Kühlschrank, esse eine Papaya und nehme mir Salat und Nüsse mit, wer weiß wann ich das nächste Mal was zu Essen kriege. Denn die Arbeit ist hart und wenn der Blutdruck sinkt ist es wichtig was zu Essen haben. Außerdem fülle ich mir 2 Flaschen mit Wasser ab. Nun steht meinem ersten Einsatz steht nichts mehr im Wege.

Stolz fahre ich in voller Feuerwehrfraumontur, auf dem Moto, mit meinem Chef nach San Juan. Auf dem Weg gibt es eine unerwartete Komplikation, plötzlich steht uns ein Stier gegenüber. Doch er ist zum Glück nicht sonderlich aggressiv und lässt uns passieren. In San Juan treffen wir den Parkaufseher und einige weitere Brigadistas. Einer davon „zieht mit uns ins Feld“, weitere Mitstreiter sammeln wir auf dem Weg ein. Ein Brigadista fangen wir auf der Straße ab. Er ist gerade auf dem Nachhauseweg von der Arbeit, aber springt sofort in seine Uniform und ist 5min. später bereit zum Einsatz. Ausgestattet sind wir mit einer Motorsäge einen Laubbläser, einer Motorsäge und jeder hat seine Machete. Endlich erreichen wir mit 8 Bomberos Forestales das Grundstück auf dem es brennt. Dort werden wir schon von den Besitzern erwartet. Sie sind besorgt und dankbar für unsere Hilfe.

Die Macheteros (Menschen die mit der Machete arbeiten) preschen voran und eröffnen die Linea de defensa, gefolgt von der Motorsäge und dem Laubbläser. Das Schlusslicht bilde ich mit dem Parkaufseher. Wir kontrollieren die Linie und sorgen für Ausbesserungen, wenn diese nötig sind. Nebenbei schaffen wir Äste mit der Hand oder den Füßen beiseite. Außerdem tragen wir noch den Sprit für den Laubbläser und ich trage den Rucksack desjenigen, der den Laubbläser auf seinem Rücken trägt. Währenddessen mache ich fleißig Fotos.

Am Anfang bin ich etwas verwirrt, denn die Luft ist zwar irgendwie verraucht, aber ich sehe kein Feuer. Gehen sie so sehr auf Nummer sicher, dass sie sogar noch eine  Ronda erstellen wenn schon gar keine Flammen mehr zu sehen sind, frage ich mich. Doch dann als ich mich  nach ca. 50m umdrehe sehe ich auf einmal Feuer und kaum habe ich das entdeckt sehe ich auch Feuer, weiter oben. Je weiter wir hochkommen, desto mehr Feuer sehe ich. Es sollte nur ein kleiner Waldbrand sein aber mir kommt das schon ziemlich groß vor.

incendio_forestal_san_Juan_24-02-2016 (194)

Foto: Privat

Alles ist voll mit Rauch und die von dem Laubbläser aufgewirbelter Erde nimmt mir ebenfalls die Sicht. Trotzdem gehe ich weiter mit dem Laubbläser voran. Nase und Mund habe ich mit einem Tuch bedeckt um mich vor dem Staub zu schützen. Schwänke nach links und rechts. Lasse mich von einem anderen Bombero leiten, der mir den Weg weist. Der nächste Schwenk nach rechts. Der andere Bombero versucht mir etwas mitzuteilen. Ich verstehe noch nicht ganz und bleibe deswegen stehen. Inzwischen sehe ich nichts mehr. Dann beim nächsten schwenk nach links ist auf einmal überall Glut. Wie kann das sein? Bin ich in das Feuer gelaufen? Ich bin total erschrocken. In dem Schwarz das mich umgibt sehe ich nichts außer die Glut. Mein Begleiter gibt mir ein Zeichen, dass ich den Laubbläser ausstellen und ablegen soll. Ich bin froh, dass ich nicht alleine bin und vom erfahrenen Bomberos begleitet werde.

Als die Sicht wieder klar wird sehe ich, dass ich direkt vor einem Stacheldrahtzaun stehe, wäre ich alleine unterwegs gewesen, wäre ich da bestimmt reingelaufen. Vielen Dank an meinen Begleiter und auf den Zusammenhalt unseres Teams!

Gegen 10 Uhr kehren wir wieder an unserem Treffpunkt in San Juan zurück. Dort haben inzwischen 2 Frauen der Brigada ein leckeres, stärkendes Essen für uns gezaubert.

Es fühlt sich gut an in so seinem gut funktionierenden Team zu arbeiten und vor allem ist es wichtig für die Sicherheit. Ein rundum gelungener Einsatz. Geeignet für eine Anfängerin wie mich.
Alle kehren nach Hause zurück, in der Hoffnung dass das Feuer nicht noch mehr Fläche einnehmen wird sondern innerhalb der Ronda langsam ausgeht.

Doch am nächsten Morgen gibt es schlechte Neuigkeiten. Die Brigada aus San Juan meldet, dass alles voller Rauch ist. Es gibt einen neuen Brand, diesmal noch näher am Park, aber wieder auf einem privaten Grundstück und ob wir Eingreifen können ist noch ungewiss.

Es geht also weiter und wir sind bereit und wachsam. El luchar sigue…

Wer mehr von Jeanne Freitag lesen möchte, kann ihren Blog besuchen: myrainforestexperience.blogspot.de

 

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