Samstag, 22.07.2017  |

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Ein Aufatmen geht durch Guanacaste

Menden | Costa Rica. Die Mendenerin Jeanne Freitag (18) ist im September (2015) des letzten Jahres für ein freiwilliges Jahr nach Costa Rica gegangen. Sie möchte andere Kulturen, ebenso die Folgen der Globalisierung aus einer anderen Perspektive kennenlernen und weitere Menschen für den Schutz des Regenwaldes sensibilisieren. In unregelmäßigen Abständen schickt sie uns ihre Eindrücke aus Costa Rica:

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Jeanne Freitag unterwegs in Costa Rica. Foto: Privat

Ich bin in San José und ruhe mich etwas aus, denn meine Mama ist heute früh um 3 Uhr am Flughafen angekommen und wir haben nicht viel geschlafen. Ich liege am Pool als mich plötzlich etwas Nasses trifft. War das etwa ein Regentropfen? Ich schaue zum Himmel auf, er ist zu gezogen mit dunkeln Wolken! Weitere Regentropfen küssen meine Haut. Ich kann es kaum glauben wie wunderbar! Wie oft habe ich mich in den letzten Monaten nach dem Regen gesehnt nach den kühlen, erfrischenden Tropfen auf meiner Haut. Ich strahle vor Glück und tanze durch den Regen.

Ein Tourist schaut hingegen besorgt auf die Regentropfen. Er hat nur wenig Zeit in Costa Rica und möchte diese nicht im Regen verbringen. Er hatte mir schon vorher erzählt, dass er durch Guanacaste reisen möchte und ich beruhige ihn. Dort regnet es nie. In Santa Cruz ist seit Anfang Dezember kein einziger Tropfen Wasser vom Himmel gefallen.

Doch dann kommt die Nachricht die mich vor Freude aufschreien und vor Erleichterung laut loslachen lässt! Es regnet im National Park Diriá! Ich renne raus um eine Sprachnachricht an meine Freunde schicken: „Hay lluvia!!“ (es gibt Regen), schreie ich vor Glück in mein Telefon.

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Wassermangel: Der Boden bricht auf.

Viele Flüsse in Santa Cruz sind schon seit Ende Januar ausgetrocknet gewesen. Die Erde durchzieht auf Grund der Trockenheit tiefe Risse, viele Tiere sind verdurstet oder verhungert, weil es auf Grund des fehlenden Wassers auch weniger Pflanzen gibt. Die Melonen sind klein geblieben, die Kühe abgemagert.

In Deutschland habe ich mir niemals Gedanken darum machen müssen ob es regnet oder nicht. Höchstens damit ich weiß was ich anziehen muss oder ob ich ne Gartenparty schmeißen kann.

Wir sind in Deutschland damit gesegnet, dass es immer ausreichend Wasser gibt. Obwohl wir eigentlich gar nicht so sehr davon abhängig sind. Es ist nicht so heiss. In Costa Rica sind nach Angaben der Weltbank knapp 10-mal so viele Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt als in Deutschland. Wenn nur eine begrenzte Menge an Wasser zu Verfügung steht geht man sehr behutsam damit um. Dann überlegt man genau wofür man dieses Wasser verwenden möchte.

Unser Staat sorgt dafür dass wir uns keine großen Gedanken darum machen müssen. Das Abwasser verschwindet im Abfluss, der Müll mit der Müllabfuhr, das Wasser aus dem Wasserhahn versiegt nie und der Strom kommt immer aus der Steckdose. Wir müssen uns keine großen Gedanken über unsere Versorgung machen und auch nicht über die Entsorgung der Abfälle. Das ist gut! So müssen wir den Müll nicht selbst verbrennen und gefährden damit unsere Gesundheit oder entfachen einen Band in unserer Nachbarschaft. Andererseits ist aber auch das Bewusstsein für diese Dinge wesentlich geringer. Und am Ende landet das Abwasser dann vielleicht doch im Fluss?

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Fast ein halbes Jahr lang liegen Ackerflächen wegen Wassermangel brach. Foto: Privat

Wer das Experiment mal ausprobieren möchte kann ja mal in Deutschland versuchen eine Strichliste zu führen wie oft er am Tag den Wasserhahn aufdreht. Wer es ganz genau machen möchte kann sich auch Plastikflaschen mit Wasser auffüllen und damit das Klo abspülen, duschen, Kleidung waschen, putzen etc. Was meint ihr wie viele Liter das sind, selbst wenn man sparsam damit umgeht?

Der indirekte Wasserverbrauch eines Menschen ist noch viel höher. Er entsteht dadurch, dass bei der Produktion von Kleidung, Lebensmittel etc. Wasser verwendet wird. Bei den Zahlen die die Statistiker zum Wasserverbrauch in der Landwirtschaft erheben, habe ich immer gedacht, dass diese Werte übertrieben seien, weil das Wasser zum größten Teil vom Himmel kommt, egal ob dort Lebensmittel angebaut werden oder nicht. Hier ist es nicht so. 5 Monate des Jahres muss jede Pflanze künstlich bewässert werden. Jeden Tag!

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Gerade an Flüssen wird das Ufer aufgeforstet. Foto: Privat

Weil viele Menschen in Costa Rica von der Landwirtschaft leben, brauchen sie viel Wasser. Dies steht im Kontrast dazu, dass es im Sommer (Dezember bis April) nicht regnet und besonders heiß ist (38 Grad). Erstaunt hat mich, was es für einen riesigen Unterscheid macht, ob an einem Fluss Bäume stehen oder nicht. Ich dachte wenn es nur wenig Wasser im Fluss gibt und kein Wasser mehr nachkommt, ist der Fluss so oder so nach wenigen Tagen ausgetrocknet. Aber Nein! Die Flüsse die von Bäumen gut beschattet sind haben den ganzen Sommer über Wasser geführt. Die Aufforstung an Flüssen ist also besonders wichtig und bringt einen direkten Effekt für Mensch, Tier und Natur mit!

Jetzt regnet es wieder regemäßig in Santa Cruz und die Natur und die Tiere werden wieder rasend schnell lebendig. Die Wiesen werden wieder grün, die kleinen Bäume sprießen aus den Samen, die im Sommer auf den Bodengefallen sind. Die Vögel fliegen in Scharen umher und singen vor Freude über den Regen.

Ein Aufatmen geht durch Guanacaste.

Jeanne Freitag hat sich nun einer Iniatitive angeschlossen die sich zum Ziel setzt, 2000 Bäume für den biologischen Korridor Carara zu pflanzen. „Die Forest Guardians“ sind junge Menschen, die sich für Pro Regenwald im Rahmen des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes „Weltwärts“ in umweltbezogenen Projekten in Costa Rica engagieren. Sie arbeiten zum Beispiel in der Umweltbildung, engagieren sich aktiv für die Bewahrung der Wälder oder versuchen Ideen der ökologischen Landwirtschaft in Costa Rica zu verbreiten.

Die Forest Guardians möchten die Bäume in einem besonders vielfältigen und daher schützenswerten Gebiet pflanzen. Es befindet sich in der Nähe des abgelegenen Dorfes El Sur, am süd-östlichen Rand des Carara-Nationalparks, an der zentralen Pazifikküste in Costa Rica. Das Gebiet zeichnet sich durch die wichtigsten Waldtypen des gesamten Landes aus. Mangroven- und Laubwälder, Trocken- und Regenwälder, sowie Nebelwälder kommen dort, in einem kurzen Abschnitt von nur 20km, vor. Wir bepflanzen eine unbewaldete Fläche, um ein Verbindungsstück (ökologischer Korridor) zwischen den einzelnen Waldgebieten zu schaffen. Das ermöglicht den Wildwechsel, speichert die Feuchtigkeit im Ökosystem und hält unsere Luft sauber!

Wer „Baumpate“ werden möchte kann hier mitmachen.

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